Hochsensitive Kinder und Jugendliche
Der Begriff der Hochsensibilität wurde erstmals 1997 von der US-Psychologin Elaine Aron definiert und findet seither immer mehr Beachtung.
Hochsensitivität ist weder eine Störung, noch ein Syndrom, sondern gilt als Veranlagung. Somit gibt es auch keine offizielle «Diagnose» für Hochsensitivität.
Hochsensitivität ist vererbbar. Es kommt daher häufig vor, dass in einer Familie mit einem oder auch zwei HSP-Elternteilen auch hochsensible Kinder leben. Ca. 15 bis 20% der Bevölkerung sind «highly sensitive Persons» (HSP).
Wie ein Mensch seine Hochsensibilität erlebt, ist sehr unterschiedlich. Es gibt jedoch einige Gemeinsamkeiten:
• Hochsensitive sind häufig sehr empathisch und erahnen intuitiv, in welcher Stimmung sich ihr Gegenüber befindet. Sie können ihre eigenen Emotionen schlechter von denen des Gegenübers abgrenzen. Empfinden andere Personen in ihrer Gegenwart z.B. Wut, Trauer oder Angst empfinden Hochsensible oft ähnlich und leiden stark mit.
• Hochsensitive neigen schneller zu einer Reizüberflutung. Folglich auch zu früherer Erschöpfung und geringerer Belastbarkeit. Sie geraten leichter unter Stress, was sich u. a. in Gefühlsaus- brüchen, psychosomatischen Beschwerden, Unkonzentriertheit oder Vergesslichkeit äußern kann.
• Das Nervensystem von Hochsensitiven reagiert sehr empfindlich auf die 5 Sinnesreize: Fühlen/ Tasten, Schmecken, Hören, Riechen und Sehen. Diese können unterschiedlich stark ausgeprägt sein und müssen nicht alle gleich empfindlich wahrgenommen werden
• Hochsensitive nehmen im Gegensatz zu Nicht-Hochsensitiven deutlich mehr Einzelheiten wahr, wodurch Gefühle intensiver erlebt, Geschehnisse genauer beobachtet und Entscheidungen stärker abgewogen werden.
Kinder haben meist noch keine erprobten Bewältigungsmechanismen und sind einer Überstimulation oft hilflos ausgeliefert. Reaktionen wie Ängstlichkeit, Schreckhaftigkeit, schnelle Ermüdung bis hin zu Verweigerung oder Aggressivität sind daher oft zu beobachten.
Was manchmal aussieht wie ADS, ADHS bis hin zum Autismus könnte auch nur eine unerkannte Hochsensitivität sein.
Aufgrund der Besonderheiten der hochsensitiven Kinder sind sie in verschiedenen Alltagsbereichen auf Unterstützung angewiesen:
• Das Kind braucht Strategien, wie es seine Reizüberflutung in Grenzen halten kann.
• Veränderungen in der Alltagsstruktur sollten angekündigt oder gar eingeübt werden.
• Dinge wie eine Klassenfahrt oder Übernachtungsparty können für ein hochsensibles Kind äußerst herausfordernd sein (Unvorhergesehenes, Lärm, keine Rückzugsmöglichkeiten…)
• Hörspiele, Kinderfilme oder –bücher können für hochsensitive Kinder aufwühlend sein (z.B. jemand befindet sich in Gefahr, ein Haus brennt etc.). Folge davon können bspw. vermehrte Albträume sein.
Themen und Ziele im Coaching von hochsensitiven Kindern und Jugendlichen können sein:
• einen Umgang mit der Überreizung finden
• Strategien erarbeiten um sich abgrenzen zu lernen
• die eigenen Bedürfnisse erkennen und benennen können
• für sich einstehen lernen (und auch einmal «nein» sagen dürfen)
• mit grösseren Veränderungen im Leben umgehen zu können (bspw. Umzug, Schulwechsel, Trennung der Eltern)
• erlernen von stressregulierenden Techniken und Übungen für den Alltag (z.B. für besseres Einschlafen)
Gerne unterstütze ich auch Sie als Eltern eines hochsensitiven Kindes (oder als selbst hochsensitive Elternteile) dabei, einen gelingenden Umgang mit der Hochsensitivität zu finden, passende Handlungsstrategien zu entwickeln und im Alltag umzusetzen.